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Termin


"Zu groß, zu teuer, zu kommerziell"

Redemanuskript zur Aktuellen Stunde der CDU betreffend "Hessentag Hurra":

 

Herr Präsident / Frau Präsidentin,

meine Damen und Herren,

wahrscheinlich alle hier im Raum werden in den kommenden 10 Tagen den Hessentag an einem oder an mehreren Tagen besuchen. Wir werden Gespräche führen, Veranstaltungen abhalten und uns im Getümmel kommerzieller und kultureller Angebote verlieren.

Der Hessentag ist das älteste Landesfest in Deutschland und findet nun schon zum 58. mal statt. Er hat damit Tradition entwickelt. Und es ist interessant, wie sich diese Tradition entwickelt hat:

Ursprünglich als Ort der Begegnung zwischen Alteingesessenen Hessen und neu angekommenen Weltkriegs-Flüchtlingen geschaffen, ist der Hessentag heute eher ein großes Spektakel mit einem unüberschaubaren Angebot. Natürlich wetteifern die ausrichtenden Städte längst darum, den besten und schönsten Hessentag auszurichten, ihm eine regionale Note zu geben und Gastgeber im besten Sine zu sein! Und deshalb gilt natürlich auch mein Dank den mehreren tausend Haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Der ursprüngliche Sinn des Hessentages – also die Begegnung verschiedener Kulturen und Traditionen – sollte uns aber wichtiger sein, als Kommerz und Remmidemmi.

Der Satz von Georg-August Zinn „Hesse ist, wer Hesse sein will“ wird von allen Fraktionen gerne zitiert. Und ich wünschte mir, dass er über die Reden zum Hessentag hinaus immer Gültigkeit hätte. Denn er besagt: Niemand ist ausgeschlossen, der dabei sein will, der seine eigene Identität mit ein bringt.

Deshalb: Der Hessentag kann auch heute eine wichtige Rolle spielen, wenn wir offen, neugierig und ohne Angst dem Anderen begegnen.

Als LINKE haben wir aber auch deutliche Kritik an der Ausrichtung des Hessentags in den letzten Jahren. Wir finden, er ist zu groß, zu lang, zu teuer und zu kommerziell geworden. Hier gilt der Spruch: Wer alles macht, entscheidet sich für nichts. Und deshalb haben wir vorgeschlagen den Hessentag in seiner Länge auf die Hälfte zu reduzieren oder ihn nur noch alle 2 Jahre durchzuführen. Eine Entscheidung für sinnstiftende Qualität statt unüberschaubare Masse zu treffen, könnte dem Landtag durchaus gut zu Gesicht stehen.

Auch verschuldete Kommunen nach dem Hessentag sollten nicht weiter zur Tradition gehören.

Auch in diesem Jahr wird DIE LINKE gegen die Anwesenheit und Werbung der Bundeswehr auf dem Hessentag demonstrieren. Die Hessische Verfassung sagt klipp und klar: Der Krieg ist geächtet! Warum lassen wir dann Kinder auf Panzerhaubitzen spielen, in Kampfjets steigen. Es ist nicht akzeptabel, dass die Bundeswehr dort junge Menschen rekrutiert, denn Deutschland ist an Kriegen beteiligt, auch wenn sie sich nicht bei uns abspielen. Dies war auch nicht die Tradition, in welcher der Hessentag 1961 zum ersten Mal im Nachkriegsdeutschland ausgerichtet wurde.

Deshalb: Ich freue mich auf einen schönen, bunten, friedlichen und uns zusammen führenden Hessentag in Korbach – im Wunsch nach weniger Kommerz und ohne Militär.