Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Termin


"Leistungssportförderung gehört zur Sportförderung"

Zum Antrag der Fraktion der CDU zur Neuausrichtung des Leistungssports in Hessen:

 

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Als ich am Montagmittag las, was die CDU als Aktuelle Stunde unter dem Titel „Neuausrichtung des Leistungssports in Hessen“ beantragt, habe ich mich zunächst gefragt: Warum eigentlich diese Aktuelle Stunde? – Mir fielen drei Punkte ein.

Erstens. Das ist eine Verlegenheitslösung. Die CDU hat kein anderes Thema, das sie hier zur Aktuellen Stunde machen könnte. Das habe ich sehr schnell verworfen, weil ich gedacht habe,

(Michael Boddenberg (CDU): Wir hätten über T-Shirts von LINKEN-Stadtverordneten reden können!)

die CDU geht immer planhaft vor. – Herr Boddenberg, ich wollte Sie gerade loben. – Deswegen kann das mit der Verlegenheitslösung nicht so sein.

Dann habe ich mir gedacht, die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ist gerade zugange. Aber am Montagmittag, also nach dem Sonntagsspiel Deutschland – Mexiko, eine Aktuelle Stunde zum Leistungssport zu beantragen, das würde ich nicht als leistungssportfördernd bezeichnen. Das habe ich auch verworfen.

Da blieb nur meine dritte Überlegung: Es geht um die Vorbereitung der Landtagswahl, und da möchte die Landesregierung ihre besonderen Leistungen herausstellen.

(Michael Boddenberg (CDU): Selbstverständlich! Wie machen Sie das denn?)

– Warten Sie einmal ab. Sie kündigen gerade den Konsens auf, der hier unter allen Fraktionen besteht, wenn Sie „selbstverständlich“ sagen, Herr Boddenberg. Denn in der Sportfrage haben wir vereinbart – wir als LINKE halten uns daran –, dass wir als Fraktionen gemeinsam vorgehen und nicht Einzelne ihre Leistungen, noch dazu sehr unklar und diffus, wie ich bei der Rede von Frau Klaff-Isselmann finde, hier zum Besten geben.

(Michael Boddenberg (CDU): Sie verstehen unter Sport etwas anderes als wir!)

Sie bewegen sich da an der Grenze eines seit Jahren bestehenden Konsenses der sportpolitischen Sprecherinnen und Sprecher,

(Zuruf des Abg. Armin Schwarz (CDU))

gemeinsam, fraktionsübergreifend in der Sportfrage vorzugehen. Sowohl Herr Greilich als auch Herr Frömmrich haben das dargelegt.

(Zuruf des Abg. Michael Boddenberg (CDU))

– Herr Boddenberg, ich warte gerne, bis Sie fertig sind. Sagen Sie, was Sie zu sagen haben, dann mache ich weiter.

(Zurufe von der CDU)

(Vizepräsidentin Heike Habermann: Lieber wäre es mir, wenn Sie weiterreden – es geht auf Ihre Redezeit –, und Herr Boddenberg würde zuhören.)

Das wäre mir auch lieber, Frau Präsidentin. – Das letzte Mal, dass wir im Landtag über Leistungssportförderung gesprochen haben, war im Mai 2015, als der Herr Innenminister auf eine Frage des Herrn Abg. Klee eine ganz lange Auskunft gab und natürlich auch die Leistungen herausgestellt hat. Wir sind uns alle einig, dass die Leistungssportförderung zur Sportförderung insgesamt gehört, also auch zur Förderung des Breitensports. Hier brauchen wir uns nicht auseinanderzudiskutieren. Der Leistungssport ist untrennbar mit dem Breitensport verbunden. Wir sind uns sicher einig, dass die Landesprogramme, die auch schon angesprochen wurden, wie das des Kultusministers zur Talentförderung und zur Talentsuche, zur Förderung von Schülerinnen und Schülern, wichtig sind. Da besteht Konsens. Leistungssportförderung beginnt schließlich meist in jungen Jahren, also dort, wo die Talente noch in der Schule sind und natürlich neben ihrem Leistungssport, der viel Zeit in Anspruch nimmt, ihre schulischen Leistungen erbringen müssen.

Leistungssport und eine sportliche Karriere enden im Regelfall zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr. Da ist es uns besonders wichtig, dass diese Leistungssportlerinnen und -sportler mit ihrer späteren beruflichen Perspektive verbunden gefördert werden, dass man dies bei der Sportförderung in besonderem Maße im Auge hat.

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN und des Abg. Torsten Warnecke (SPD))

Es geht um Angebote wie z. B. die Sportfördergruppen bei der Polizei, die auch schon angesprochen wurden, oder die Förderung von Behindertensportlern, im dualen Studium in der allgemeinen Verwaltung. Das ist für uns als LINKE etwas, worauf man besonderes Augenmerk haben sollte und was wir unterstützen und fördern. Ohne öffentliche Mittel, ohne vielfältige Unterstützung, übrigens von Bund, Land und den Kommunen – die wollen wir dabei nicht vergessen –, bei Breitensport- und Leistungssportförderung wären der Leistungssport und die Ergebnisse nicht denkbar.

In der aktuellen Diskussion – damit will ich zum Schluss kommen – über die Leistungszentren oder die Veränderung der Leistungszentren und die Förderung des Leistungssports würde ich mir allerdings wünschen, dass man stärker auf die Experten – das sind die aktiven Athletinnen und Athleten und die ehemaligen Leistungssportlerinnen und -sportler – hört

(Vizepräsidentin Heike Habermann: Kollege Schaus, kommen Sie bitte zum Schluss.)

– das ist mein letzter Halbsatz –; denn die müssten am genauesten wissen, was ihre Kollegen bei der Sportförderung benötigen. – Vielen Dank.

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)